Schweizerischer Verband für Wohnungswesen SVW / ASH / ASA

Aktuelles vom SVW

Dienstag, 30. August 2011

Baugenossenschaft Mettlenweg, Biel: Knacknuss Wirtschaftlichkeit

Die Bieler Baugenossenschaft Mettlenweg will eine Siedlung mit 154 Wohnungen durch Neubauten ersetzen. Das Projekt besitzt Beispielcharakter, handelt es sich doch um den ersten grossen Ersatzneubau einer Baugenossenschaft im Raum Bern.
Die Häuser am Narzissenweg im Bieler Quartier Mett sind in die Jahre gekommen: Die 50-Quadratmeter-Wohnungen entsprechen nicht mehr heutigen Ansprüchen, die bauliche Substanz aus der Nachkriegszeit ist schlecht. Auch macht der hohe Energieverbrauch Massnahmen notwendig. Eine Machbarkeitsstudie, von der Genossenschaft 2008 in Auftrag gegeben, kam zum Schluss, dass eine Sanierung längst nicht alle Mängel beseitigen würde und Neubauten letztlich wirtschaftlicher sind. Kommt hinzu, dass damit rund ein Viertel zusätzliche Wohnfläche geschaffen werden kann.
Keine „Zweiklassengesellschaft“
Die Baugenossenschaft Mettlenweg schrieb deshalb unter sechs erfahrenen Büros aus der Region einen Planungsstudienauftrag für Neubauten aus. In die Jury nahm man Fachleute auf, darunter einen Vertreter der Stadt. Zu erstellen war sowohl ein städtebaulicher Entwurf als auch ein exemplarisches Einzelgebäude. Bei beiden Wettbewerbsteilen empfahl das Preisgericht einstimmig die Vorschläge des bekannten Bieler Büros mlzd Architekten zur Weiterbearbeitung. Gemäss Theo Strauss, Präsident der BG Mettlenweg, überzeugte einerseits die genossenschaftliche Identität, die das neue Ensemble ausstrahlt. Die Architekten schlagen wieder zwölf Bauten vor, wobei drei quergestellte Häuser die Struktur auflockern. Ein elegantes Mansardengeschoss tritt an die Stelle der sonst üblichen Attikas, auf die man wegen der damit geschaffenen „Zweiklassengesellschaft“ gern verzichtet.
Zwischen den Bauten entsteht eine attraktive Flaniermeile. Gemeinschaftsfördernde Laubengänge erschliessen die Wohnungen. Vorgesehen ist ein Mix von 43 Zweieinhalb-, 52 Dreieinhalb- und 34 Viereinhalbzimmerwohnungen, die ein breites Publikum ansprechen. Dank optionalen Schaltzimmern kann dieses Angebot der Nachfrage angepasst werden. Ein grosser Gemeinschaftsraum soll entstehen, eine Kindertagesstätte, ein Mittagstisch, auch ein Medien- und Spielzentrum, ein Fitnessraum, Werkstätten, ja sogar Serviceleistungen wie Reinigung oder Einkauf fasst man ins Auge.
Günstig, aber nicht billig
Für Theo Strauss am wichtigsten: Das Siegerprojekt ist auch in wirtschaftlicher Hinsicht auf dem richtigen Weg. Denn das Mietzinsniveau in Biel erlaubt keine grossen Sprünge. Das genossenschaftliche Angebot ist in keiner anderen Schweizer Stadt so günstig. Rund 600 Franken kostet eine Dreizimmerwohnung am Narzissenweg heute. Auf dem freien Markt wären es etwa 1200 Franken. Bei den Neubauwohnungen mit vergleichbarer Hauptnutzfläche wolle man irgendwo dazwischen liegen, erklärt Theo Strauss. Rund 185 Franken Jahresmiete pro Quadratmeter Wohnfläche nennt er als Ziel, während es auf dem freien Markt bis zu 230 Franken sind. Eine Viereinhalbzimmerwohnung (102 m2) würde also auf rund 1580 Franken netto zu stehen kommen – ein ehrgeiziges Ziel.
Erreichen will man es durch günstige, aber keinesfalls billige bauliche Lösungen. Auch sind die Wohnflächen zwar zeitgemäss, aber nicht übertrieben. Ein wichtiger Faktor ist zudem, dass die Genossenschaft auf eigenem Land baut, das sie zu einem tiefen Preis einsetzen kann. In Frage käme auch, einen Teil der Wohnungen im Stockwerkeigentum abzugeben, wie dies aus Mitgliederkreisen angeregt wurde. Bei der Finanzierung (Totalkosten rund 43 Millionen Franken) beabsichtigt die Genossenschaft unter anderem Mittel aus dem Fonds de Roulement und den EGW-Anleihen nutzen. Die BG Mettlenweg gehört zu den ersten gemeinnützigen Bauträgern, die von den neuen Förderbeiträgen des Kantons profitieren (vgl. wohnen 4/2011): Er unterstützt die Projektierungskosten mit einem Betrag von 50‘000 Franken.
Einzigartiges Angebot
Die Verwaltung rechnet damit, dass rund zwei Drittel der heutigen Mieterschaft in die Neubauten wechseln wird. Die Mitglieder haben der Erneuerung der Siedlung an der Generalversammlung 2010 im Grundsatz denn auch mit grossem Mehr zugestimmt. Noch in diesem Herbst eröffnet die BG Mettlenweg ein Mitwirkungsverfahren, das der Mieterschaft die Möglichkeit gibt, ihre Bedürfnisse und Wünsche einzubringen. Doch auch diejenigen, die nicht in den Neubau wechseln wollen, lässt man nicht im Stich. Max Bucher, dessen Immobilienfirma die Mettlenweg-Siedlungen verwaltet, versichert: Man werde für alle Mieterinnen und Mieter Ersatzlösungen finden. Die vorgesehene Etappierung des Neubaus erleichtert dies. Zudem hat man mit den umliegenden Genossenschaften zwecks „Mietertausch“ Kontakt aufgenommen. Denn dort gibt es durchaus auch Mieter, die in eine moderne Neubauwohnung wechseln möchten.
Eine weitere Tatsache stimmt die Genossenschaftsverantwortlichen zuversichtlich: Sowohl Rolex als auch Swatch werden in Biel in den nächsten Jahren neue Arbeitsplätze schaffen, teils in Velodistanz zum Narzissenweg. Innerhalb des Quartiers Mett gehört dieser zu den guten Wohnlagen; öffentlicher Verkehr, Einkaufsmöglichkeiten und Schulen sind alle in der Nähe. Und die gemeinschaftlichen Einrichtungen, insbesondere die Kinderbetreuung, sind für ein junges Familienpublikum ein weiteres Plus. So viel bietet heute nämlich keine andere Wohnsiedlung in Biel.
 

 
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